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Recyclingpapier wieder im Trend

Erschienen in Ausgabe 6 / 10-12 2006
Weltweit landet jeder fünfte Baum in der Papierfabrik. Ob Schulheft, Kopier- oder Hygienepapier: Durch Wiederverwertung könnte so mancher Lebensraum gerettet werden. Und qualitativ steht das Recyclingpapier dem Frischfaserpapier in Nichts mehr nach.

Papier: gebraucht und weggeworfen
Trotz Computer und E-Mail sind wir weiter vom papierlosen Büro entfernt denn je. In Deutschland werden jährlich mehr als 800.000 Tonnen Büropapiere verbraucht. Würde der Recyclingpapieranteil von derzeit 20 Prozent auf 50 Prozent gesteigert, könnte man jährlich einen Naturraum von der Größe des halben Bodensees entlasten, Abwasserbelastungen, die 25.000 Menschen verursachen und eine Treibhausgasmenge, die eine Kleinstadt mit 8.000 Einwohner produziert, einsparen.

Zum Schulbeginn decken sich Jahr für Jahr 1,5 Millionen bayerische Schüler mit Schulmaterial ein. Dabei stoßen sie fast ausschließlich auf Schulhefte, die ihnen mit dem Doppellabel „Aqua pro Natura / Weltpark Tropenwald“ suggerieren, umweltschützend zu handeln. Tatsächlich kommen nur Recyclinghefte diesem Wunsch nach, doch die sind aus den Regalen weitgehend verschwunden. „Von den rund 200 Millionen Heften, die pro Jahr bundesweit gekauft werden, bestehen nur noch etwa fünf Prozent aus Altpapier“, so Petra Schepsmeier von der Initiative 2000plus. Dabei betrug im süddeutschen Raum der Marktanteil Anfang der 90er Jahre bereits 70 Prozent. „Zum einen denkt man beim Einkauf nicht mehr darüber nach, zum anderen wurde das Doppellabel für chlorfrei gebleichtes Papier stark beworben“, erklärt Schepsmeier den Rückgang.

Pro Minute werden in Deutschland 37 Tonnen Papier verbraucht. 25 Millionen Bäume werden jährlich für den EU-Hygienepapiermarkt gefällt. Welch eine Verschwendung, bedenkt man, dass Toilettenpapier, Servietten und Taschentücher nur einmal gebraucht und weggeworfen werden.

Technische Fortschritte auf dem Recyclingsektor
Meistens sind Vorurteile aus längst vergangenen Tagen schuld am schlechten Image von Recyclingpapier. Dabei ist es heute absolut salonfähig. Das Schreibpapier zerfasert nicht mehr beim Radieren, auch die Füllertinte zerläuft nicht mehr und Filzstifte schreiben nicht mehr durch die Seite. Drucker und Kopiergeräte arbeiten mit dem umweltfreundlichen Papier problemlos. Recyclingpapier gibt es heute in verschiedenen Weißgraden, von leicht grau über naturweiß bis weiß. Und auch besonders teure Papiere wie Büttenpapier sind nicht zufällig leicht eingefärbt: Ein gebrochenes Weiß ist angenehmer für die Augen.

Die Qualität der mit dem „Blauen Engel“ ausgezeichneten Schulhefte, Blöcke und Kopierpapiere aus Recyclingpapier erfüllt hohe Ansprüche. Nachteile – nur der Umwelt zuliebe – muss niemand mehr in Kauf nehmen. Anders als bei den Schulmaterialien ist Recyclingpapier in einigen Unternehmen inzwischen nicht nur Kostenvorteil, sondern auch Imagefaktor geworden. Für sie ist ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen ein Maßstab für ihre Zukunftsfähigkeit.

Der „Blaue Engel“ steht für Umweltschutz und Qualität
Der nordische Schwan, die Euroblume, mehrere FSC-Zeichen oder gar firmeneigene Werbezeichen verwirren den Verbraucher. Doch kein Label ist besser als der „Blaue Engel“. Er stellt die höchsten Anforderungen und ist als ältestes Umweltzeichen seit 28 Jahren ein verlässlicher Wegweiser auch im Dschungel der Papiersiegel. Der „Blaue Engel“ fordert den Einsatz von 100 Prozent Altpapier und sorgt so für geringeren Wasser- und Energieverbrauch. Darüber hinaus ist garantiert, dass keine giftigen Chemikalien oder Zusatzstoffe zur Herstellung verwendet werden. Neben den Umweltanforderungen muss das Papier auch den technischen Normen für den Einsatz in modernen Bürogeräten und zur Archivierbarkeit entsprechen.

Ruth Gemeinhardt

Internet-Tipp:

Umweltzeichen „Blauer Engel“: www.blauer-engel.de


Initiative Pro Recyclingpapier: www.papiernetz.de


Landesamt für Umweltschutz, Papier: www.bayern.de/lfu


Toilettenpapier im Test:www.stiftung-warentest.de

Blauer Engel auch auf dem WC

Toilettenpapier muss weich sein, strahlend weiß aber sicher nicht. Wer zum Recyclingpapier greift, schont nicht nur die Umwelt, sondern auch sich selbst. Denn mit dem „Blauen Engel“ ausgezeichnetes Toilettenpapier garantiert neben der Einsparung von Holz, Wasser und Energie auch eine Schadstoffprüfung. Der Zusatz von optischen Aufhellern ist ebenso verboten wie der Einsatz von schwermetallhaltigen Farbmitteln und allergieauslösenden Hilfsstoffen.

 

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