Sozial und fair
Fair kaufen – damit die Welt ein Stück gerechter wird
Erschienen in Ausgabe 2 / 10-12 2005
Bananen aus Ecuador. Kaffee aus Nicaragua. T-Shirts aus
Asien. Eine Vielfalt und Auswahl, die wir gerne genießen. Dabei leben
wir gut und günstig mit Produkten aus aller Welt. Aber wie sieht das Leben
für die Menschen in den Ländern dort aus?
Grenzenlos billig
„Product of Ecuador“ oder „Made in India” – Spielwaren,
Elektronikartikel, Textilien und Lebensmittel aus Entwicklungsländern haben
die Regale in Warenhäusern und Supermärkten erobert. Dabei sind die
Importe trotz der weiten Wege und aufwändigen Herstellung häufig unglaublich
günstig. Oder sogar zu billig?
Die Verlierer dieses Deals leben auf der anderen Seite der Welt. Es sind
die Kleinbauern und Arbeiter in den Fabriken in Asien, Afrika und Lateinamerika.
Menschenunwürdige Arbeitsbedingungen und Ausbeutung sind dort an der
Tagesordnung: Löhne unter dem Existenzminimum, unbegrenzte Arbeitszeiten
und Entlassung bei Krankheit oder Schwangerschaft. Damit den Familien das
Geld zum Leben reicht, müssen ihre Kinder häufig mit arbeiten. Das
bedeutet für sie, kein Spiel, keine Schule, keine Ausbildung. Viele Bauernfamilien
müssen ihr Land verlassen. Sie wandern in die Slums der Städte ab,
wo Arbeitslosigkeit, Armut oder Krankheiten auf sie warten.
Hilfe zur Selbsthilfe
Die Menschen in den Ländern des Südens brauchen keine Almosen,
sondern Hilfe zur Selbsthilfe, fordert UN-Generalsekretär Kofi Annan.
Faire internationale Handelsbeziehungen sind für ihn die wirksamste
Entwicklungshilfe. Ein Welthandel ohne Ausbeutung von Mensch und Natur ist
das zentrale Anliegen des Fairen Handels. Denn auch die Kleinbauern in Afrika,
Asien und Lateinamerika haben ein Recht auf angemessene Bezahlung. Der Faire
Handel garantiert ihnen international festgesetzte Mindestpreise, von denen
ihre Familien leben können. Dazu kommt ein Fairtrade-Aufschlag für
soziale Projekte und Investitionen.
Für viele ist dies der erste Schritt aus der Armut. Darüber
hinaus bietet ihnen der Faire Handel langfristige Abnahmeverträge
sowie Beratung bei Anbau und Verarbeitung. So entstehen besondere Qualitätserzeugnisse – unter
menschenwürdigen Arbeitsbedingungen und umweltschonend hergestellt.
Fairer Handel ist ein Gewinn für beide Seiten: Die Verbraucher erhalten
hochwertige Produkte und die Kleinbauernfamilien im Süden können
ihre Zukunft aufbauen.
Fair handeln gegen Ausbeutung
„Wir haben keine Wahl. Unser Land ist unwegsam, unsere Felder klein.
Da ist Kaffee die einzige Möglichkeit, um der Armut zu entfliehen“,
berichtet der Kaffeebauer Jose aus Costa Rica. In den vergangenen Jahren sind
die Preise allerdings derart gefallen, dass die Kosten höher waren als
die Erträge. Doch der Fairen Handel verschafft Jose und anderen Kleinbauern
der Region eine Perspektive. Sie erhalten einen garantierten Preis, der zumindest
die Kosten für die Produktion deckt. „Ohne Fairen Handel hätten
wir aufgeben müssen,“ erzählt er. Zudem bekommen die kleinbäuerlichen
Produzenten Extra-Vergütungen bei höheren Weltmarktpreisen oder
für Bioqualität. Damit können sie Schulen einrichten, die Gesundheitsvorsorge
verbessern oder auf ökologischen Anbau umstellen.
Die größten Gewinner des Fairen Handels sind die Kinder. „Ich
bin froh, dass meine vier Kleinen jetzt zur Schule gehen können,“ berichtet
eine Arbeiterin auf einer Orangenplantage in Brasilien. „Nur so werden
wir in unserem Land eine bessere Zukunft bekommen.“
Fair einkaufen: echt preiswert
„Ich finde es gut, dass Fairer Handel direkt geleistete Hilfe zur Selbsthilfe
und eben keine Spende ist,“ so der Journalist und Moderator Andreas
Lange. “Ich bezahle für die fairen Produkte eben einen Preis, den
sie auch wert sind." In mehr als 22.000 Supermärkten in Deutschland
kann man aus einem reichhaltigen Sortiment an fair gehandelten Schokoladen
und Süßwaren, Kaffee- und Teespezialitäten, Orangensaft, aber
auch frischen Bananen wählen. Dazu bieten 800 Weltläden als Fachgeschäfte
des Fairen Handels eine breite Produktpalette von Lebensmitteln bis Kunsthandwerk – persönlicher
Service und Hintergrundinformationen zu Produkten und Projekten inklusive.
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Internet-Tipps:
Tipps für den fairen Einkauf
Adressen für den fairen Einkauf
fair feels good. Eine Informationskampagne zum Fairen Handel: www.fair-feels-good.de
TransFair – Verein zur Förderung des Fairen Handels mit der Dritten
Welt: www.transfair.org
Kampagne Fair Handeln Bayern: www.fairhandeln-bayern.de
Der Faire Handel – ein Gewinn für alle

Immer
mehr Menschen greifen zu fair gehandelten Produkten. Allein bei Produkten
mit dem FairTrade-Siegel stieg der Absatz 2004 um ein Drittel. Aus den
Erlösen erhielten die Produzenten rund 1,2 Millionen Euro Fairtrade-Prämien
für Investitionen in ihre Zukunft. Rund eine Million Familien in
etwa 50 Ländern profitieren heute vom Fairen Handel. Für Sicherheit
beim Kauf sorgt das FairTrade-Siegel.
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