Gesund leben
Strahlung aus dem Handy: Ist die Sorge berechtigt?
Erschienen in Ausgabe 14 / 10-12 2008
In Deutschland gibt es über 100 Millionen Mobilfunkanschlüsse. Gesundheitliche Auswirkungen der Strahlung sind nach wie vor umstritten. Hans Ulrich-Raithel vom Umweltinstitut München erklärt den Stand der Forschung und wie man sich vor Handystrahlung am besten schützt.
Herr Ulrich-Raithel, eine Studie des Bundesamtes für Strahlenschutz hat ergeben, dass die derzeitigen Grenzwerte vor Gefahren von Handystrahlung ausreichend schützen. Wie beurteilen Sie dieses Ergebnis?
Freudig wurden uns Meldungen zum Abschluss des deutschen Mobilfunk-Forschungsprogramms präsentiert wie: „Handy-Strahlung löst keinen Krebs aus“, oder „Entwarnung für Gesundheits-Risiken“. Die Pressemitteilung des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS), welches das über sechs Jahre laufende Programm umgesetzt hat, liest sich anders: „Forschungsbedarf bei Kindern und Langzeitnutzern. Nicht alle Fragen abschließend geklärt“.
Weiterhin Forschungsbedarf gibt es nach Meinung des BfS vor allem bei möglichen Langzeitrisiken für Handynutzungszeiten von mehr als zehn Jahren. Außerdem sei weiterhin unklar, ob Kinder empfindlicher auf Handystrahlung reagieren als Erwachsene. Das BfS rät deshalb, auf eine vorsorgliche Verringerung der Strahlenbelastung zu achten. Verständlich, wenn man weiß, dass Hirntumore und andere Tumore im Kopfbereich nicht von heute auf morgen entstehen. Typische Latenzzeiten betragen mindestens 10 Jahre, das Maximum wird nach 20 bis 30 Jahren erwartet, wie Untersuchungen an Patienten nach therapeutischer Bestrahlung zeigen. Weil wegen der jungen Technologie die Zeit, in der Langzeitwirkungen auftreten können, noch läuft, gibt es diesbezüglich noch keine Klarheit.
Welche Effekte könnte Mobilfunkstrahlung auf die Gesundheit haben? Gibt es Grenzwerte?
Die Ergebnisse der wenigen abgeschlossenen Untersuchungen im Hochfrequenzbereich liefern ernst zu nehmende Hinweise auf ein erhöhtes Krebsrisiko als Folge elektromagnetischer Bestrahlung, vor allem für Leukämie und Hirntumore. Eine verlässliche Aussage lässt sich derzeit allerdings nicht machen, denn die konkreten gesundheitlichen Auswirkungen sind in der Wissenschaft noch umstritten. Es gibt einige experimentelle Untersuchungen, bei denen Effekte auch unter den derzeit gültigen Grenzwerten festgestellt wurden. Darunter waren veränderte Hirnströme, eine erhöhte Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke, Ausschüttung von Stresshormonen und Einflüsse auf die Zellkommunikation, Schwächung des Immunsystems bis zur Abnahme der Fruchtbarkeit.
Was muss ich beim Handytelefonieren beachten, um mögliche Strahlung zu vermeiden?
Das Handy nicht in der Hosentasche oder Brusttasche, sondern möglichst weiter entfernt vom Körper, z.B. im Rucksack oder in der Handtasche tragen. Kurz und selten mobil telefonieren oder Head-Sets verwenden. Beim Telefonieren das Handy von unten mit zwei Fingern halten, die Rückseite nicht mit der Hand abdecken. Denn dann wird das Hochfrequenzfeld abgeschwächt und das Mobiltelefon muss dies mit höherer Sendeleistung ausgleichen. Da das Handy aus Innenräumen mit erhöhter Leistung sendet, bei längeren Telefonaten das schnurgebundene Festnetztelefon bevorzugen.
Viele Kinder und Jugendliche wünschen sich ein Handy. Was raten Sie den Eltern?
Ein Handy kann Sinn machen, wenn die weiterführende Schule weit entfernt ist. Zahlen Jugendliche die Gebühren vom Taschengeld, lernen sie zu entscheiden, welche Telefonate wichtig sind.
Und was empfehlen Sie Kindern und Jugendlichen, die bereits ein Handy besitzen?
Das Verschicken von SMS ist unproblematisch, da das Handy beim Versenden nicht am Kopf gehalten wird. Nachts das Handy ausschalten, da es mindestens stündlich ein Steuersignal mit voller Leistung sendet. Statt Handy besser einen batteriebetriebenen Wecker verwenden. Bluetooth nur einschalten, während es benötigt wird.
Wie sieht es bei Schnurlostelefonen in Wohnungen aus? Gibt es da auch Strahlung?
Ja. Die meisten Schurlostelefone senden 24 Stunden am Tag, also auch wenn nicht telefoniert wird. Das Signal ist im Raum mit der Basisstation meist stärker als vom benachbarten Mobilfunkmast. Geräte mit „Eco-Mode“ schalten ab, wenn das Mobilteil in der Ladeschale steckt.
Andrea Reiche |
Internet-Tipp:
Weitere Informationen zu Mobilfunkstrahlung unter www.umweltinstitut.org.
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